Trauma - unsichtbare Wunde

Der 3. Fachtag der AG Trauma des Runden Tisches gegen häusliche und sexualisierte Gewalt in Fulda richtete sich an Menschen, die in Berufen des Gesundheitssektors arbeiten. Er begann am 15.05.2017 mit einem gut besuchten Abendvortrag im Klinikum Fulda. Maria Zemp (medica mondiale) sprach über das Thema „Stress- und traumasensible Haltung für Gesundheitsfachkräfte: Eine Qualifizierung der Fachkräfte zur Unterstützung für Patientinnen und Patienten“. Die Teilnehmer_innen diskutierten noch lange bei einem Imbiss über die Anregungen.

Am 16.05.2017 führte das Theater Mittendrin mit einer beeindruckenden Performance in das Thema ein. Maria Zemp eröffnete den Fachtag mit Ihrem Beitrag über „Weibliche Fluchtursachen und die Folgen: Risiko Trauma und Retraumatisierung“. Sie brachte in ihrem eindrücklichen Vortrag die widrigen Lebensumstände der Frauen, die sich für eine Flucht entscheiden sowie die Unwägbarkeiten, denen sie auf ihrer Flucht begegnen atmosphärisch spürbar in den Raum. Sensibel und wissend auf die Vulnerabilität reagieren zu können, hilft Betroffenen und ihrem Gegenüber. Prof. Dr. Ulrich Sachsse zeigte in seinem Vortrag „Trauma - Wert und Grenzen eines Konzepts“ die geschichtliche Entwicklung der Diagnose – und Behandlungsmöglichkeiten von posttraumatischen Belastungsstörungen auf und berichtete über den gegenwärtigen Stand der Forschung. Er bietet seit Jahrzehnten traumasensible Fort- und Weiterbildungen für Ärzte, Psychotherapeuten und helfende Berufe im Gesundwesen an, die rege nachgefragt werden.

Dr. Sven Rinke informierte über die Besonderheiten bei der zahnmedizinischen Behandlung und zahntechnischen Versorgung für Opfer häuslicher Gewalt. Er gründete mit seiner Frau Katrin Rinke den Verein Wieder Lachen e.V., der seit 2005 mit der Aktion „Lächeln Schenken“ Opfern von häuslicher Gewalt hilft, sich einen Zahnersatz leisten zu können, auch wenn die eigenen Mittel nicht ausreichen, die Zuzahlungen aufzubringen. Frau Rinke ist seit vielen Jahren die 1. Vorsitzende des Vereins und stellte die beeindruckende Arbeit vor.

„Traumasensibler Umgang mit pflegebedürftigen Menschen“ war das Thema von Angelika Rogowski. Sie entführte mit kleinen Fallvignetten in die Lebenswirklichkeit von älteren Menschen, die ihre noch im Krieg oder im Laufe ihres Lebens erlittenen traumatischen Erlebnisse nicht verarbeitet haben. Sie brechen während einer Demenz- oder Alzheimererkrankung immer wieder durch und führen zu Verwirrtheits- und Bedrohungszuständen, denen sie hilflos ausgeliefert sind. Sie unterstrich wie wichtig es ist, dies richtig einordnen und professionell darauf reagieren zu können.

Die Veranstalterinnen blickten am Ende auf einen gelungenen Fachtag, der einen weiten Bogen spannte und eindrucksvoll das Engagement der AG Trauma unterstrich zurück.