Komplextrauma erkennen und verstehen – Impulse für die Praxis

Wie kann interdisziplinäre Zusammenarbeit und Hilfe aussehen?

Besonders schwere oder wiederholte bzw. langanhaltende Traumatisierungen wie z.B. psychische, körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen oder massiver körperliche oder emotionale Vernachlässigung in der Kindheit führen in der Regel zu erheblichen Beeinträchtigungen. Diese Erlebnisse sind mit Todesangst gekoppelt, je früher sie sich ereignen, desto schwerwiegender sind die Folgen. Frühe wiederholte Stresserfahrungen führen beim Kind zu einer grundlegenden Veränderung des Aufbaus des Gehirns und des gesamten Stress-Systems. Infolge dessen treten Konzentrationsschwierigkeiten auf, es kommt zu dissoziativen Episoden, in denen sich ihr bewusstes Erleben von der Außenwelt zurückzieht oder es zu flaschbacks kommt. Sie haben massive Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu regulieren und die Impulskontrolle zu halten. Ihre Selbstwahrnehmung verändert sich ebenso wie ihre Beziehung zu anderen Menschen. Sie neigen zu starker Somatisierung und tragen oft eine große Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in sich.

Schon im Kindergarten und in der Schule fallen sie mit ihrem „anders sein“ auf, viele wissen ihre Auffälligkeiten nicht richtig einzuordnen und lehnen sie deshalb ab. Das zieht sich oft bis ins hohe Erwachsenenalter wie ein roter Faden durch ihr Leben, meist suchen sie in mehreren Institutionen gleichzeitig Unterstützung, so dass es für die professionellen Helfer wichtig ist, voneinander zu wissen und gemeinsam zu verstehen.

Dieses Anliegen wollte der Fachtag mit der Betonung auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Hilfe aufgreifen.

Als Referentin konnte Michaela Huber (www.michaela-huber.com) gewonnen werden.

Der Vortrag von Frau Huber im Stadtschloss Fulda
Der Vortrag von Frau Huber beim Fachtag "Komplextrauma erkennen und verstehen" am 13.11.2014 im Stadtschloss Fulda

Frau Huber erklärte zunächst was ein Trauma ist und wie es entsteht, ging auf die Auswirkungenauf die Gehirnentwicklung und den Zusammenhang mit der Behinderung des Lernens ein und betonte immer wieder, dass es lange dauert, bis man sich als Betroffener selbst helfen kann. Sie erläuterte den Begriff der Dissoziation und die Auswirkungen auf den Stoffwechsel. Sie empfahl alles zu versuchen, um den Betroffenen zu helfen, Distanz zum Trauma zu gewinnen. Sie riet dringend, interdisziplinär zu arbeiten und ein sicheres Bindungsangebot zu machen, da frühe oft langjährige Traumageschichten das Vertrauen in Menschen, in Gott, in ein wohlmeinendes Schicksal, in den Sinn im Leben angegriffen wenn nicht gar zerstört haben. Dazu vermittelte sie empfehlenswerte Strategien bevor sie im sich anschließenden Workshop auf vertiefende Fragen der TeilnehmerInnen einging.

Das Vorbereitungsteam zusammen mit Frau Huber
Das Vorbereitungsteam zusammen mit Frau Huber

Veranstaltet wurde der Fachtag vom Runden Tisch gegen sexuelle und häusliche Gewalt Fulda in Kooperation mit dem Präventionsrat Fulda. Wir engagieren uns in beiden Gremien und arbeiteten im Vorbereitungsteam mit. Er fand am 13.11.2014 im Stadtschloss in Fulda statt.