Intensiv Sozialpädagogische Maßnahme

In unseren Intensiv Sozialpädagogischen Maßnahmen (ISPM) bieten wir jeweils zwei Mädchen, die massive Gewalt –  insbesondere sexualisierte Gewalt – erfahren haben, extrem vernachlässigt wurden und aufgrund ihrer persönlichen Lebensgeschichte, auch einer bikulturellen Sozialisation oder nach einem psychiatrischen Klinikaufenthalt, nicht in ihrem bisherigen Lebensumfeld bleiben können, eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Alternativ können Mädchen, die in einer anderen Wohnform von Violeta leben und dort überfordert sind, eine Auszeit einlegen und vorübergehend in eine ISPM umziehen, um einen weiteren Verbleib in der Einrichtung zu gewährleisten.

In den ISPM´s leben an neun Standorten zwanzig Mädchen im Alter von 6 bis 18 Jahren, die im Anschluss meist in eine Intensiv-Pädagogische Wohngruppe umziehen.

Grundlage unserer Arbeit

Unser Anliegen ist, dass das Mädchen sich wohl fühlen kann und sich nicht als Außenseiterin oder Störenfried erlebt. Der Beziehungsaufbau wird durch intensives gemeinsames Gestalten des Alltages und handlungs- und erlebnispädagogischer Elemente erleichtert.

Das Mädchen soll in einem entspannten Rahmen mit wenigen Menschen lernen, sich auseinander zu setzen, sich zunehmend schwierigeren Anforderungen zu stellen und sie zu bewältigen. Dazu gehört es auch, die verschütteten und nicht auf Anhieb erkennbaren Stärken und Fähigkeiten aufzuspüren und sichtbar werden zu lassen, um für und mit dem Mädchen realistische Perspektiven zu finden und sie bei der Umsetzung zu begleiten. Sie werden zunehmend mit den Anforderungen des täglichen Lebens und der Alltagskompetenzen wie dem Umgang mit Geld, Freizeitaktivitäten und einem strukturierten Tagesablauf konfrontiert.

Ein hohes Maß an Fürsorge und Kontrolle vermittelt den Mädchen spürbar, dass andere Interesse an ihnen haben, dass sie als Person nicht egal sind – wie auch ihr Handeln nicht egal ist.

Pädagogisches Konzept

In ISPM´s werden

  • Kontinuität und Verlässlichkeit eines tragfähigen Beziehungsangebotes durch ein breites Spektrum von sich anschließenden Maßnahmen langfristig gewährleistet
  • Mädchen mit einem hohen Maß an ungesteuertem Verhalten durch eine enge Betreuung Halt gegeben
  • durch die Herausnahme aus der Alltagssituation bekannte Muster unterbrochen
  • Eigenschaftszuschreibungen, wie z. B. „ich bin ein böses / liebes Mädchen“ zugunsten eines handlungs- und verhaltensorientierten Ansatzes aufgelöst
  • Akzeptanz von Grenzen und Grenzsetzungen entwickelt
  • die Bedeutung von Regeln, Normen und Werten auch im Zusammenleben mit anderen erarbeitet
  • die Tragweite und Konsequenzen eigenen Handelns realistisch einschätzen sowie Verantwortung für das eigene Tun übernehmen gelernt
  • der Auseinandersetzung mit der eigenen Person breiten Raum eingeräumt
  • Kritik annehmen und angemessen Kritik äußern gelernt
  • das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen gestärkt, auch durch Anerkennung und Wertschätzung von außen
  • vorhandene Potentiale und Ressourcen geweckt
  • Erfahrungen des Gelingens forciert und Umgang mit Misserfolgen trainiert
  • Mädchen durch regelmäßige psycho- und reittherapeutische Angebote unterstützt

Wie sieht das Leben in einer ISPM aus?

Abwechslungsreich – humorvoll – ganz schön
anstrengend – SURVIVALtraining eben !

Die Wohnungen der ISPM´s liegen jeweils in einem Wohngebiet mit guter Anbindung an alle Schulformen und verschiedene Freizeitangebote. Jedes Mädchen hat ein Einzelzimmer, damit es sich zurückziehen kann, es gibt eine Küche, Essplatz, Wohnzimmer und Badezimmer, meist einen großen Balkon oder Garten.

Am Morgen wird geweckt, wer kann geht nach dem Frühstück in die Schule, wer nicht kann verbringt die Zeit mit der Betreuerin. Mittags freuen sich alle auf das gemeinsame Essen, anschließend ist Hausaufgabenzeit, bevor wieder Sport, Fitnessstudio, Musikschule etc. oder Arztbesuche, Reit- oder Gesprächstherapie anstehen. Nach dem Abendessen wird gespielt, gebastelt, fern gesehen. Am Wochenende ist es entspannter, es findet immer eine Gruppenunternehmung statt, manchmal auch Ausflüge gemeinsam mit einer anderen ISPM. Heimfahrten sind monatlich möglich, Besuche der
Angehörigen nach Absprache.

Das Team bilden vier bis sechs pädagogische Fachkräfte. Die fachliche Begleitung erfolgt durch die pädagogische Leiterin und eine Psychotherapeutin.