Jugendhilfe ohne Eltern ist wie Angeln ohne Schnur*

In der professionellen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen begegnen uns Eltern in völlig unterschiedlichen Rollen: als Auftraggeber für eine Hilfe oder Therapie, als Unterstützung im Zugang zum Kind, als abwesende Fremde in unseren Akten, als misstrauische oder bedürftige Suchende, als feindselige „Verhinderer“ von Kontakt, manchmal auch als Quelle von Leid für das Kind. Wir stehen immer wieder aufs Neue vor der Frage, wie es gelingen kann, Eltern so anzusprechen, dass wir sie als Arbeitspartner gewinnen können. Dies weil wir wissen, dass die Eltern für die Kinder und Jugendlichen zentrale identitätsstiftende Personen waren, sind und bleiben, und das wir ohne die Würdigung dieser Tatsache die Kinder und Jugendlichen letztendlich nicht angemessen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen können.

Der Fachtag ging der Frage nach, wie wir den professionellen Kontakt zu den Eltern für alle Beteiligten gewinnbringend gestalten können. Als Grundlage für eine differenzierte Auseinandersetzung dienten Konzepte aus der Säuglings-Eltern-Psychotherapie und den sogenannten „Frühen Hilfen“, die mit aktuellen Befunden zur Elternarbeit im Kontext der Jugendhilfe verknüpft wurden.

Da es in schwierigen familiären Fragestellungen nicht ausbleibt, dass man mitunter an die eigenen Grenzen gerät, ist es wichtig, sich neben konkreten Techniken und bekannten Methoden der Gesprächsführung auch mit inneren Haltungen und grundsätzlichen Voraussetzungen für die Arbeit mit den Eltern zu beschäftigen.
Elternarbeit verstehen wir dabei nicht nur als definiertes, regelmäßiges Gesprächssetting von speziell dafür ausgebildeten Fachleuten, sondern auch und gerade als die vielen „Nebenbei“- und „Tür-und-Angel“-Kontakte, die sich im Alltag ergeben, sowie auch die Auseinandersetzung mit dem Kind oder Jugendlichen über seine Eltern.

Der Fachtag fand am 8. März 2012 in Schlitz in der Landesmusikakademie Hessen statt.

* aus dem Vortrag „Fachtag Kinderhäuser“ von Nicola Franken-Rowo,
  6.12.2005 in Hohe Liedt