Motivation und Hintergründe

Violeta  will, dass sich Mädchen frei entfalten und ihre Fähigkeiten in allen Bereichen der Gesellschaft erproben und entwickeln können.

Auf langjähriger Erfahrung im Bereich der Heimerziehung und in der Betreuungsarbeit mit Mädchen basiert unsere Erkenntnis der Benachteiligung von Mädchen – auch im Bereich öffentlicher Erziehung.
Hinzu kommen Untersuchungen der Fachöffentlichkeit, die die subtile Fortschreibung der Benachteiligung und Diskriminierung von Mädchen in ihren Sozial- und Sozialisationsfeldern nachdrücklich belegen.

Warum mädchenspezifisch?

Die Missachtung und Geringschätzung von Mädchen bewirkt, dass Mädchen große Einbußen in ihrem Selbstwertgefühl erleben müssen. Der Gleichheitsanspruch koedukativer Erziehung ist in seiner Umsetzung bisher unserer Einschätzung und Erfahrung nach ein formaler geblieben – gemischtgeschlechtliche Erziehung orientiert sich auch im Bereich öffentlicher Erziehung bis heute überwiegend an den Interessen, Bedürfnissen, Erlebnis-, Empfindungs- und Handlungsweisen von Jungen, also an männlichen Standards. Mädchen werden lediglich zugelassen und dürfen teilnehmen, wenn sie sich in die bestehenden Bedingungen und Verhältnisse fügen und Anpassung leisten.

Eine Hinterfragung bestehender Werte und Normvorstellungen aus mädchenspezifischer Sicht findet nur langsam statt und noch oft manifestieren unreflektierte Haltungen und Einstellungen sozialer Fachkräfte diesen Umstand. Gemessen an männlichen Standards werden weibliche Eigenschaften und Kompetenzen als defizitär, unterentwickelt und zweitrangig beurteilt. Diese Negativwertung und Festlegung auf eine Identitätsfindung, die sich an männlichen Prinzipien orientiert, nimmt Mädchen den Raum und die Chance einer dynamischen und eigenständigen Identitätsfindung.

Die Reduzierung von Weiblichkeit auf „Männer-ergänzend“ geht einher mit der Festlegung weiblicher Sexualität zur Befriedigung männlicher Bedürfnisse und Interessen. Gewalterfahrungen, emotionale Ausbeutung und sexuelle Gewalt im familiären Nahraum als auch im öffentlichen Raum werden so begünstigt.

Für Mädchen: parteilich und ressourcenorientiert

Als Pädagoginnen, die wir unsere traditionelle Rollenfestlegung kritisch reflektiert haben, des Weiteren sensibilisiert durch unsere Praxiserfahrung und Fortbildungsveranstaltungen, treten wir an mit dem Anspruch, Mädchen eine Lebenswelt zur Verfügung zu stellen, die sich an ihren Interessen und Stärken orientiert – die nicht ausschließlich Symptome zu behandeln sucht, sondern wissend um Ursachen Mädchen eine parteiliche und mädchenadäquate Pädagogik gewährt.

Wir denken an einen geschützten Raum für Mädchen. Innerhalb einer geschlechtshomogenen Gruppe wollen wir Mädchen im Miteinander mit anderen Mädchen, im Alltagslernen mit ihnen und uns und durch eine entsprechende Angebotsstruktur grundlegende Hilfen hin zu einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung anbieten.